BUDDHISTISCHE PRINZIPIEN 5



 

MYO NO SHORAN

(Jede Wirkung erscheint unter allen Umständen, wenn man Ursachen für kosen-rufu setzt)

"Unter allen denen, die vom Lotos-Sutra hören, gibt es nicht einen, der die Buddhaschaft nicht verwirklichen wird."

Es gibt einen ganz wichtigen Punkt, der für mich besonders in der Anfangszeit meines Glaubens sehr wichtig war – das ist das buddhistische Prinzip von myo-no shoran. Es bedeutet, dass jede Wirkung unter allen Umständen erscheint, wenn man Ursachen für kosen-rufu setzt. Wir haben es damals so interpretiert: "Auch wenn es niemand sieht, wie sehr Du Dich für kosen-rufu und die Menschen einsetzt und dafür Leiden und Schmerzen auf Dich nimmst – der Gohonzon weiß alles." In solchem uneigennützigen Einsatz für andere Menschen erscheinen alle Nutzen, die zur Verwirklichung der Buddhaschaft führen.[1]


NINPO IKKA

(Einheit von Person und Gesetz)

Der ursprüngliche Buddha ist das Objekt der Verehrung als Person, und ichinen sanzen ist das Objekt der Verehrung als Gesetz. Weil das Leben des ursprünglichen Buddhas ichinen sanzen selbst ist, sind dies nicht zwei unterschiedliche Objekte der Verehrung, sondern ein und dasselbe. Das nennt man die Einheit von Person und Gesetz.[2]

 
Nichiren Daishonin errichtete als Mittelpunkt der buddhistischen Ausübung ein Objekt der Verehrung, den Gohonzon. (...) Im Gohonzon sind grundsätzlich in chinesischen Schriftzeichen aber zum Teil auch in Sanskrit alle wesentlichen Lebensaspekte in Form der Wiedergabe der ‘Zeremonie in der Luft' dargestellt. In der Mitte stehen von oben nach unten ‘Nam-Myoho-Renge-Kyo' und ‘Nichiren' – dies bedeutet, dass der Gohonzon die ‘vollkommene Verschmelzung von Person und Gesetz' (Ninpo-ikka) verkörpert. Es bedeutet unter einem anderen Aspekt ebenso die ‘Verschmelzung von objektiver Wirklichkeit des Universums und subjektiver Weisheit, die diese Wirklichkeit erkennt'. Der Gohonzon ist im wesentlichen das erleuchtete universelle Leben von Nichiren Daishonin.[3]


RISSHO ANGOKU

(Die Befriedung des Landes durch die Errichtung des wahren Gesetzes)

Nichiren Daishonins wichtigstes Werk ist die "Rissho Ankoku Ron", was übersetzt heißt "Über die Befriedung des Landes durch die Errichtung des wahren Gesetzes". Wesentlicher Bestandteil dieser Gosho ist der Dialog zwischen einem Reisenden und seinem Gastgeber.

Nichiren Daishonin wandte sich mit der "Rissho Ankoku Ron" an den damaligen Machthaber als beratender Freund. Die Folge waren die Tatsunokuchi-Verfolgung und die Verbannung auf Sado. Als Nichiren die Regierung drei Mal ermahnt hatte, aber nicht gehört wurde, entschloss er sich , die Zukunft auf eine andere Art und Weise vorzubereiten und ging auf den Minobu-Berg.

Sein wesentliches Anliegen von nun an war es, den Menschen zu vermitteln, wie wichtig der Dialog auf der Basis von gegenseitigem Respekt ist , um mehr Verständnis füreinander und letztlich Frieden zu schaffen. Diesen Geist der "Rissho Ankoku" hat er an die nächste Generation weitergegeben.

 
Im Laufe des Gesprächs in der "Risho Ankoku Ron" haben Gastgeber und Reisender ihre menschliche Beziehung zueinander verbessern können. Dem Gastgeber war es durch seine warme und menschliche Ausstrahlung gelungen, eine Atmosphäre zu schaffen, die es dem Reisenden ermöglichte, sein Herz zu öffnen und aufrichtig zuzuhören. In der Gosho ist das so ausgedrückt: "Durch den Austausch mit den Freunden im Orchideen-Zimmer haben Sie sich selbst verwandelt ...".

Wenn die Sonne scheint, gibt sie uns Wärme. Wir brauchen dann keine Kleidung mehr, um uns vor schlechter Witterung zu schützen. Im Gegensatz dazu müssen wir uns um so mehr einmummeln, je kälter es ist und je stärker der Wind pfeift. Wenn wir uns, um im Bild zu bleiben, "zur Sonne entwickeln", legen die Menschen in unserer Umgebung ihre Schutzhüllen ab. Es entwickeln sich offene freundschaftliche Gespräche. Durch die Wechselwirkung mit unserer Umwelt können wir unser Karma zum Guten hin verändern. "Menschliche Revolution" heißt auch "Zwischenmenschliche Revolution", in der wir nicht Freunde suchen, sondern für unsere Mitmenschen zu einem guten Freund werden.

 
Auf der Basis des Glaubens können wir uns gegenseitig ermutigen. In diesen Beziehungen lernen wir, die uns innerwohnende Negativität, vor allem unseren Egoismus, zu überwinden, und unseren Glauben beizubehalten und zu vertiefen. Das Errichten des Glaubens (Rissho) ist die Grundlage für den Frieden (Ankoku).

 
Nichiren Daishonins Wunsch ist es, mit seinen Gesprächspartnern Schritt für Schritt zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen. Er erklärt das kausale Gesetz des Lebens, das Prinzip von Ursache und Wirkung. Letztlich, so vermittelt er, können wir die Wirklichkeit nur durch die Tat zum Besseren hin verändern und nicht dadurch, dass wir im Interpretieren schlechter Umstände verharren. Eine wesentliche Voraussetzung dafür, einander zu verstehen, also letztlich zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen sind für Nichiren vollkommenes Vertrauen und Worte. Beides ist lebensnotwendig für eine gute Freundschaft.

So wie die Natur abhängig davon ist, wie wir Menschen mit ihr umgehen, so gilt dieses Verhältnis umgekehrt noch stärker. Unser Leben hängt ab von der Natur. Wir müssen unsere "Innenwelt-Verschmutzung" (Die drei Gifte: Gier, Ärger, Dummheit) überwinden, um in Einklang mit der Natur leben zu können. Schon ein kleiner Schritt vorwärts genügt, um eine Veränderung der Umwelt zu bewirken. Worin dieser Schritt besteht? Nichiren Daishonin lehrt: "Chanten Sie Nam Myoho Renge Kyo. Das ist die größte Stimme. Diese Größe ist das Gesetz des Universums." Auch wenn wir nicht laut chanten, erreicht dieses Gebet das ganze Universum.

Zuerst schließen wir unsere Freundschaft mit allen Menschen durch das Chanten![4]

 
Am Ende seiner Abhandlung Rissho Ankoku Ron beleuchtet der Daishonin deutlich die großen Wohltaten, die von denjenigen erhalten werden, die das Mystische Gesetz annehmen: Er schreibt:

"Deshalb müssen Sie rasch die Lehrsätze, die Sie in Ihrem Herzen hegen, verändern und das eine Wahre Fahrzeug annehmen, die einzige gute Lehre vom Lotos-Sutra. Wenn Sie das tun, dann wird die gesamte dreifache Welt zum Buddhaland werden, und wie könnte ein Buddhaland jemals untergehen? Die Regionen in den zehn Richtungen werden alle zu Schatzreichen, und wie könnte ein Schatzreich jemals Schaden nehmen? Wenn Sie in einem Land leben, das weder Schaden noch Spaltung kennt, wird ihr Körper ruhig und sorglos sein. Sie müssen meinen Worten glauben und ihnen Beachtung schenken."[5]

Diejenigen, die das Mystische Gesetz annehmen, können den Ort an dem sie leben, wo auch immer das sein mag, in ein Buddhaland, ein glänzendes Schatzreich, verwandeln. Sie können in Ewigkeit unzerstörbares Glück genießen.[6]

 
Nichiren Daishonin verkündete die Gründung seiner Lehre am 28.April 1253 im Seicho-ji-Tempel. Danach ging er nach Kamakura. Zu dieser Zeit wurde das Land von einer Reihe Naturkatastrophen heimgesucht, darunter Erdbeben, Dürre, Hungersnot und Epidemien. Der Daishonin sah die Leiden der Menschen und beschloss, die grundlegende Ursache dieser Katastrophen aus der Sicht des Buddhismus aufzuzeigen. Er ging deshalb regelmäßig in den Tempel Jisso-ji, um die Texte in der dortigen Suren-Bibliothek zu studieren. Die Ergebnisse seiner Recherchen fasste er in der "Rissho Ankoku Ron" (Über die Befriedung des Landes durch die Errichtung des Wahren Gesetzes) zusammen.

Nichikan Shonin, der sechsundzwanzigste Hohe Priester der Nichiren Shoshu, sagte einmal, dass die Lehren des Daishonin mit der "Rissho Ankoku Ron" beginnen und enden, das heißt, dass Nichiren Daishonin seine Anstrengungen, seine Lehre zu verbreiten, mit der Vorlage dieses Schriftstückes begann.

Als der Daishonin 1279 den Dai-Gohonzon einschrieb, erfüllte er seine höchste Aufgabe in dieser Welt. Der Dai-Gohonzon ist geschaffen worden, um das Ideal der "Rissho Ankoku Ron" zu verwirklichen, das heißt, Frieden durch den Respekt vor dem Lebensgesetz, im Dai-Gohonzon manifestiert, zu entwickeln. Der Dai-Gohonzon stellt die Grundlage dar, auf der wir unser eigenes Leben reformieren und damit unsere Gesellschaft verändern können. Aus diesen Gründen betonte Nichikan Shonin, dass "Rissho Ankoku Ron" sowohl den Anfang als auch den Höhepunkt der Lehren des Daishonin verkörpert.

 
Die Lehre der Rissho Ankoku Ron ist universell und zeitlos. Erklären wir nun den Titel dieser Gosho von einem anderen Gesichtspunkt aus. "Rissho" oder die Verbreitung des wahren Gesetzes ist eine religiöse Aktivität, und "ankoku" oder die Sicherung des Friedens im Land, steht für unsere weltlichen Aktivitäten. Was ist die Beziehung zwischen den beiden Arten der Aktivität?

In vielen Religionen wird keine klare Trennungslinie gezogen zwischen religiösen und weltlichen Angelegenheiten. In einigen südostasiatischen Ländern zum Beispiel schreibt der Hinayana-Buddhismus den Menschen die Lebensform in einem ganz erheblichen Ausmaß vor.

In Nichiren Daishonins Buddhismus dagegen gibt es keine derartige Direktverbindung zwischen Religion und gesellschaftlichem Leben. Der Buddhismus Nichiren Daishonins zwingt den Menschen weder eine spezielle Lebensweise oder Sozialstruktur auf, noch diktiert er Verhalten oder Moral. Dies sind Dinge, die die Menschen selbst entscheiden müssen. Was der Buddhismus des Daishonins anstrebt, ist, die Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und ihr Leben von innen heraus zu reformieren.

Somit sind Buddhismus und Gesellschaft durch Individuen miteinander verbunden, und die Wohltaten oder Wirkungen der buddhistischen Praxis erscheinen innerhalb einzelner Menschen, die feststellen, dass sie einen immer stärker werdenden Einfluss auf die Welt um sie herum besitzen, sei es die Familie, die Gemeinde oder die Nation.

 
Wir können verstehen, dass Unglücke in vielen Fällen abgewendet werden können, wenn Regierende weise und gerecht regieren.[7]

 
Es heißt, dass die hervorragende Eigenschaft eines Buddhas das Mitgefühl ist. Mitgefühl beinhaltet zwei Aspekte: des anderen Leid zu nehmen und ihm Glück zu geben. Das ist der Geist der "Rissho Ankoku Ron". Um Friede und Eintracht im Volk wiederherzustellen, muss die erste Aufgabe sein, die verdrehten, schlechten Lehren zu beseitigen, die soviel Elend verursachen. Obwohl Nichiren Daishonins öffentliche Verurteilung der Lehre des Reinen Landes sehr streng ist, ist es wichtig zu sehen, dass sie aus seinem Mitgefühl für die leidenden Menschen herrührt.[8]

 
Die Analyse der einzelnen Bestandteile des Titels der Gosho "Rissho Ankoku Ron" zeigt, dass der Daishonin den Kern seiner Aussage im Titel komprimierte: Dass eine friedliche und sichere Gesellschaft nur auf der Grundlage des Wahren Gesetzes errichtet werden kann.

  1. Rissho
    "Rissho" ist eine Zusammenziehung von "Ritsu Sho" und bedeutet "Errichtung der Wahren Lehre".
    1. "Ritsu"
      "Ritsu" heisst wörtlich "errichten" – in diesem Fall, die Lehre des Buddhismus Nichiren Daishonins zu errichten. "Ich möchte, dass Sie verstehen, dass diese tiefe Bedeutung der Silbe Ritsu in Ihrer Tat für Kosen-rufu, als Bote des Buddhas liegt", schreibt Präsident Ikeda.
    2. "Sho"
      "Sho" heißt "korrekt", "richtig", "wahr" und bezeichnet hier das Wahre Gesetz von Ursache und Wirkung. Eingeschlossen in der Silbe "Sho" sind die "Drei Großen Esoterischen Gesetze": der Gohonzon als das wahre Objekt der Verehrung; Nam-Myoho-Renge-Kyo, das Daimoku (wörtlich "Großer Titel") und das Hochheiligtum des Buddhismus Nichiren Daishonins: der Ort, an dem der Gohonzon eingeschreint ist.
       
  2. Ankoku
    1. "An"
      "An" von "Ankoku" bedeutet "Frieden", auch "Sicherheit".
    2. "Koku"
      "Koku" bezeichnet im Wortsinn das Land unter der Regierung von Hojo Tokiyori, des Adressanten der Abhandlung "Rissho Ankoku Ron". Im übertragenen Sinne bezieht sich "koku" jedoch auf die ganze Welt und auf alle Ewigkeit.
       
  3. Ron
    1. "Ron" bezeichnet eine längere, gesellschaftlich bedeutsame Schrift, also eine "Abhandlung".

Präsident Ikeda resümiert: "Ewigen Frieden und Sicherheit zu erschaffen, und das nicht nur in Japan, sondern in der ganzen Welt – das war der Traum des Daishonin und der wahre Geist von Rissho Ankoku Ron".[9]

 
Am 16. Juli 1260 legte Nichiren Daishonin dem mächtigsten Mann des Landes, Hojo Tkiyori (einem ehemaligen Regenten des Kamakura-Schogunats), einen Ermahnungsbrief mit dem Titel "Rissho-Ankoku-Ron" (Abhandlung über die Befriedung des Landes durch die Errichtung des Wahren Gesetzes) vor. Er erläuterte, dass die Verleumdung des Wahren Gesetzes die Grundursache für die Naturkatastrophen ist und prophezeite gleichzeitig, dass weitere Katastrophen wie ausländische Invasion und blutige Auseinandersetzung den Hojo-Clan befallen würden, wenn die Regierung weiterhin keine Gegenmaßnahme gegen die Verleumdung treffen sollte.

 
Der Grundgeist des Buddhismus Nichiren Daishonins ist das Prinzip von ‘Rissho-Ankoku-Ron', d.h. das Prinzip der Befriedung des Landes durch die Errichtung des Wahren Gesetzes. In seiner Abhandlung über dieses Thema forderte der Daishonin die politisch Verantwortliche auf: "Wenn Sie zunächst den Frieden im Lande sicherstellen und sich das Wohlergehen (des Volkes) in der Gegenwart und Zukunft wünschen, dass sollen Sie sofort ... Gegenmaßnahmen (gegen das Unheil) treffen. ... Wenn das Land zugrunde geht und das Haus vernichtet wird, wo kann man noch dieser Welt entfliehen? Wenn Sie um Ihr eigenes Glück gesorgt sind, dann sollten Sie zuallererst aufrichtig für den Frieden und die Sicherheit in jeder der vier Richtungen des Landes beten."[10] Die Überzeugung Nichiren Daishonins ist es, dass religiöse Ausübung Auswirkungen in der Gesellschaft zeigt und dass eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung und die Befriedung des Landes nur durch die Errichtung des Wahren Gesetzes in jedem einzelnen erreicht wird.[11]


SANGE

(Reue; der Entschluss, seine eigene Buddha-Identität nicht weiter zu verleugnen)

Das buddhistische Prinzip von Sange, der Entschluss, seine eigene Buddha-Identität nicht weiter zu verleugnen, fordert zunächst dazu auf, dankbar zu sein für "alles, was einem ein Lehrer ist".[12]

 
Gegen die Verleumdung gibt es im Buddhismus eine gute Medizin, die ‘Reue' (Sange). Die buddhistische Reue hat drei Aspekte: 1. Sich für die negativen Taten in der Vergangenheit zu entschuldigen, 2. Sich dem Gohonzon gegenüber dafür zu bedanken, dass man die negative Wurzel seines Unglücks erkennen und beseitigen kann, und 3. Sich dazu zu entschließen, sich von nun an für das Lebensgesetz einzusetzen und in Harmonie mit ihm zu leben. Die Reue ist wie ein scharfes Schwert, das die Kette des Karmas, die tiefe Wurzel aller Leiden und Schwierigkeiten, abschneidet; es ist eine große Hoffnung zu wissen, dass man sein Leben ganz neu anfangen kann.[13]


SANMYO GORON

(Die drei mystischen Prinzipien)

Die theoretischen Lehren (des Lotos-Sutras) erläutern die Buddhaschaft auf theoretische oder prinzipielle Weise als ein Potential, das allen Menschen innewohnt, während die wesentliche Lehre, und hierbei insbesondere das Juryo-Kapitel, sie als Wirklichkeit zeigt, die sich im Leben Shakyamuni Buddhas manifestiert. Die Erleuchtung Shakyamunis wird in diesem Kapitel in bezug auf ihre Ursache und ihren Ort beschrieben. Diese beiden wiederum wurden später als die drei mystischen Prinzipien von Wahrer Ursache, Wahrer Wirkung und Wahrem Land formuliert. Sie sind die ersten drei der Zehn Mystischen Prinzipien der Wesentlichen Lehre, die durch T'ien-t'ai, einen Gelehrten des 6.Jahrhunderts, in seiner Hokke Gengi (Tiefgründige Bedeutung des Lotos-Sutras) erläutert wurden.

Das mystische Prinzip der Wahren Ursache (honin-myo), die auch Ursprüngliche Ursache genannt wird, bezeichnet die Praxis, die Shakyamuni ausübte, um die Buddhaschaft zu erlangen. Im Juryo-Kapitel wird dies durch den bereits zitierten Abschnitt erwähnt: "Männer aufrichtigen Glaubens, einst habe auch ich die Bodhisattwa Entbehrungen ausgeübt, und das Leben, das ich dadurch erlangte, ist noch lange nicht erschöpft."

Das mystische Prinzip der Wahren Wirkung oder auch der ursprünglichen Wirkung (honga myo) bezieht sich auf die Erleuchtung, die Shakyamuni tatsächlich durch seine Ausübung erlangte. Dies wird durch den Abschnitt angedeutet: "Eine unvorstellbar lange Zeit ist vergangen, seit ich die Buddhaschaft erlangt habe."

Darüber hinaus muss es aber auch einen Ort geben, an dem sich Ursache (die Ausübung) und Wirkung (das Erreichen) ereignen. Dies führt uns zum Prinzip des Wahren Landes (honkokudo-myo), was im Abschnitt seinen Ausdruck findet: "Immer schon bin ich in dieser Welt gewesen, habe das Gesetz erläutert und [die Menschen] unterrichtet."

In den vorläufigen Lehren wird diese Welt als unrein betrachtet. Dort nennt man sie die Saha-Welt, was einen Ort bezeichnet, an dem man viele Leiden erdulden muss. Die Länder des Buddhas dagegen werden als ideale Reiche in anderen Gegenden des Universums angesehen. Doch genauso, wie das Juryo-Kapitel jede grundlegende Trennung zwischen den Neun Welten und der Buddhaschaft zurückweist, so verhält es sich auch gegenüber jeglicher Trennung zwischen dieser gewöhnlichen Welt und dem Land des Buddhas. Genau hier ist der Ort, an dem sich die höchste Erleuchtung manifestiert.

In "Das Wahre Objekt der Verehrung" schreibt Nichiren Daishonin: "Die Saha-Welt, die Shakyamuni im Juryo-Kapitel offenbarte, ist das ewige reine Land, undurchdringlich für die drei Katastrophen und die vier Kreisläufe des Wandels. In dieser Welt ist der Buddha ewig. Dies ist der Grund, warum die 3.000 Welten und die drei Bereiche der Existenz in unserem eigenen Leben vorhanden sind."[14]

Die Tatsache, dass das Juryo-Kapitel diese drei mystischen Prinzipien zusammen offenbart, wird die Integration der drei mystischen Prinzipien (sanmyo goron) genannt. Wenn wir diese drei Prinzipien im Licht des Buddhismus Nichiren Daishonins betrachten, dann kann man sie so verstehen, dass sie die Drei Großen Mystischen Gesetze repräsentieren. Die Wahre Ursache zur Erlangung der Buddhaschaft steht für das Daimoku. Die Wahre Wirkung oder auch der Zustand der Buddhaschaft selber steht für den Dai-Gohonzon, der wiederum die Erleuchtung Nichiren Daishonins verkörpert. Und das Wahre Land, der Ort des Buddhas, steht für das Hochheiligtum, an dem der Dai-Gohonzon eingeschreint ist.

Hier sollte wir innehalten, und die Beziehung zwischen der ursprünglichen Erleuchtung Shakyamunis, wie sie im Juryo-Kapitel beschrieben wird, und dem Buddhismus Nichiren Daishonins zu diskutieren. Das Juryo-Kapitel erläutert die Erleuchtung Shakyamunis in gohyaku-jintengo als eine Wirkung, als etwas bereits erreichtes, und aus diesem Grund wird seine Lehre als Buddhismus der Wahren Wirkung bezeichnet. Es erklärt nicht die Ursache, aufgrund derer es ihm möglich war , die Erleuchtung zu erlangen. Nur vage wird in dem Abschnitt darauf hingewiesen, wo es heißt: "Einst übte auch ich die Bodhisattwa Entbehrungen aus."

Für den Großen Lehrer T'ien-t'ai bezog sich dies auf den Zustand des Nicht-Zurückfallens auf dem Weg des Bodhisattwas, was er als Ursache ansah, die es Shakyamuni ermöglichte, die Erleuchtung zu erlangen. Dennoch erklärte er nicht, was es Shakyamuni denn nun ermöglichte, diesen Zustand des Nicht-Zurückfallens zu erreichen.

Die Lehre Nichiren Daishonins dagegen definiert diese Ursache als das Mystische Gesetz von Nam-Myoho-Renge-Kyo, der letztendlichen Wirklichkeit ohne Anfang und Ende, durch das Shakyamuni sowie alle anderen Buddhas ihre Erleuchtung erlangt haben. Im "Brief an Akimoto" schreibt Nichiren Daishonin: "Sämtliche Buddhas in Raum und Zeit erreichen ihre Erleuchtung unterschiedslos durch die fünf Silben von Myoho-Renge-Kyo."[15] Weil dieses Gesetz im Juryo-Kapitel zwar enthalten, aber nicht ausdrücklich erwähnt wird, bezeichnete er es als das "höchste Gesetz, das in der Tiefe des Juryo-Kapitels verborgen ist."

Weil der Daishonin damit in konkreter Form die Wahre Ursache für das Erreichen der Buddhaschaft offenbarte, wird seine Lehre auch "Buddhismus der Wahren Ursache" genannt und Nichiren Daishonin selbst "Lehrer der Wahren Ursache". Und auch weil er das ursprüngliche Gesetz, die Quelle aller Buddhas, direkt enthüllte, wird er als der Ursprüngliche oder Wahre Buddha bezeichnet. Im Gegensatz dazu mag Shakyamunis Lehre, die die Buddhaschaft nur als eine Wirkung zeigt, als noch immer vorläufig bezeichnet werden.[16]

 
Shakyamuni sagt: "Seit ich die Buddhaschaft erlangt habe, ist eine sehr lange Zeit vergangen. Die Dauer meines Lebens ist eine unermessliche Zahl von asamkhya kalpas. In dieser Zeit bin ich immer hier gewesen, ohne dass mein Leben jemals geendet hätte. Meine Freunde, ich habe ursprünglich die Ausübung eines Bodhisattwas durchgeführt und das dadurch erworbene Leben ist noch nicht aufgebraucht, sondern wird noch doppelt so lange dauern, wie es bereits existiert".[17]

 
Diese auf die Zukunft gerichteten Abschnitte des Sutras offenbaren die äußerst wichtige Lehre der mystischen Prinzipien von "wahrer Ursache" und "wahrer Wirkung" .

Die "wahre Ursache" und die "wahre Wirkung" sind Ursache und Wirkung von Shakyamunis Erleuchtung in der fernen Vergangenheit, also die Ursache für seine Erleuchtung, ist die wahre Ursache. Das Ergebnis, die Buddhaschaft, ist die "wahre Wirkung".

Die "wahre Wirkung" ist der vom Buddha manifestierte Zustand. Er ist wegen der Ausübung der wahren Ursache seit der fernen Vergangenheit erleuchtet. Es ist schwer, diesen "mystischen" Zustand zu verstehen, der als das mystische Prinzip der "wahren Wirkung" bezeichnet wird. Nach T'ien-t'ai ist die "wahre Wirkung" ein Zustand, der durchdrungen ist von den vier Tugenden von Ewigkeit, Glück, dem wahren Selbst und Reinheit. Dieser Zustand ist so weit und rein wie ein absolut wolkenloser Himmel und von unzerstörbarem und unerschütterlichem Glück.

Die Lehre von der "wahren Ursache" und der "wahren Wirkung" im Juryo-Kapitel zeigt nicht nur, dass das Leben in der Welt der Buddhaschaft, also die "wahre Wirkung", ewig ist, sondern dass das gleiche für das Leben der neun Welten, also das Leben der "wahren Ursache" gilt.

Weil im Leben des Buddhas auch immer das Leben der neun Welten existiert, kann der Buddha auch nachdem er die Buddhaschaft erlangt hat, die Ausübung des Bodhisattwas durch führen, um die Menschen der neun Welten zur Erleuchtung zu führen. Die tatsächliche Erleuchtung in der fernen Vergangenheit bedeutet nicht, dass der Buddha, der bereits die "wahre Wirkung" erlangt hat, die Ausübung der "wahren Ursache" nicht weiter durchführt. Es bedeutet auch nicht, dass das Leben des Buddhas ausgelöscht wird und er in eine andere, in die Welt der Buddhaschaft, wechselt.

Die Aussage des Sutras ist, dass das Leben des Buddhas, der in der fernen Vergangenheit die Buddhaschaft erlangte (d.h. die "wahre Wirkung") nicht nur die "wahre Wirkung", sondern auch die "wahre Ursache" beinhaltet. Das bedeutet, dass der Buddhismus Shakyamunis die Betonung auf die "wahre Wirkung" legt.

Im Gegensatz dazu wird im Buddhismus Nichirens das Gewicht auf die "wahre Ursache" gelegt. Den einfachen Menschen der zehn Welten kommt die zentrale und nicht eine untergeordnete Bedeutung zu, denn die Wesen des Späten Tags, um deren Befreiung es geht, sind einfache Menschen. Daher müssen wir diesen Satz, der das mystische Prinzip der "wahren Ursache" erklärt, "ich habe ursprünglich die Ausübung eines Bodhisattwas durchgeführt" noch einmal näher betrachten:

Was ist denn letztendlich die treibende Kraft, die den gewöhnlichen Menschen Shakyamuni befähigte, eine Lebensdauer von unermesslicher Weisheit zu erlangen, dadurch dass er in der fernen Vergangenheit die Ausübung eines Bodhisattwas durchführte? Es ist Nam-Myoho-Renge-Kyo.

Shakyamuni, der einfache Sterbliche der fernen Vergangenheit, erlangt die Buddhaschaft als Wirkung seiner Ausübung von Nam-Myoho-Renge-Kyo. Mit den Worten "Dieses wunderbare eine Gesetz (myoho), das gleichzeitig sowohl Ursache als auch Wirkung (renge) besitzt"[18] sagt Nichiren, dass Nam-Myoho-Renge-Kyo sowohl die "wahre Ursache" als auch die "wahre Wirkung" beinhaltet.

Wie schon der Ausdruck "Ursache und Wirkung in einem Augenblick des Lebens" sagt, sind Ursache und Wirkung in einem Augenblick des Glaubens an das eine Gesetz von Nam-Myoho-Renge-Kyo enthalten.

Sowohl die "wahre Ursache" als auch die "wahre Wirkung" sind in jedem Augenblick oder ichinen unseres Lebens enthalten. Das ist die Gleichzeitigkeit von Ursache und Wirkung.[19]

 
Der Absatz, der mit den Worten beginnt: "Wenn die Menschen meinen, die Welt geht unter", erläutert, dass die saha-Welt in Wahrheit ein unzerstörbares reines Land ist. Das ist die Offenbarung des mystischen Prinzips des "waren Landes" in dem Prosateil dieses Kapitels und wird mit Worten wie "Ich bin immer in dieser Welt gewesen und habe das Gesetz gepredigt und die Menschen gelehrt und bekehrt"[20] erläutert.

Textteile wie "seit ich die Buddhaschaft erlangte, sind unermessliche, grenzenlose Hunderte, Tausende, Zehntausende, Millionen von nayutas kalpas vergangen"[21] zeigen, dass der Buddha immer in dieser Welt und sein Leben unauslöschlich ist. Das ist das mystische Prinzip der wahren Wirkung.

Und schließlich "ursprünglich habe ich die Ausübung des Bodhisattwas gemacht, und die Lebensdauer, die ich dadurch erworben habe, ist noch nicht aufgebraucht, sondern wird noch zweimal so lange dauern."[22] Zeigt die Beständigkeit des Lebens der neun Welten. Das ist das mystische Prinzip der wahren Ursache.

Diese drei mystischen Prinzipien werden im Juryo-Kapitel verkündet. Das bezeichnet man als die Einheit der drei mystischen Prinzipien.

Die Einheit der drei mystischen Prinzipien in der wesentlichen Lehre, (das heißt der zweiten Hälfte des Lotos-Sutras, die die Aussage macht, dass der Buddha, die Menschen der neun Welten und das Land ewig und unzerstörbar sind) vervollständigt die Lehre des Lotos-Sutras von ichinen sanzen oder der dreitausend Bereiche in einem Augenblick. Diese Doktrin, die über die Unterscheidungen der zehn Welten und Leben und seiner Umgebung hinausgeht, stellt klar, dass die dreitausend Bereiche aller Phänomene ewig und unvergänglich sind. Es zeigt die Größe und Ewigkeit des Lebens, das in sich die dreitausend Bereiche aller Phänomene enthält.

Nichirens Lehre von ichinen sanzen öffnet den Weg, auf dem alle Menschen des Späten Tages dieses große und ewige Leben manifestieren können, das er als Nam-Myoho-Renge-Kyo bezeichnete.

Wer den Buddhismus Nichirens aufrichtig ausübt, ist daher ein edler Bote des Buddhas, der die Einheit der drei mystischen Prinzipien in der Gesellschaft umsetzt.[23]

 
"Seitdem bin ich ständig in dieser Welt gewesen, habe das Gesetz verkündet und (die Menschen) gelehrt.
Ich habe auch die Menschen in hundert, tausend, zehntausend, hunderttausend, nayuta, aßogi anderen Welten geführt und ihnen Nutzen gebracht."[24]

Verglichen mit den Lehren vor dem Lotos-Sutra, hat diese Erklärung eine große Bedeutung. Viele frühere Sutren lehren, dass die menschliche Welt beschmutzt sei und der Buddha nicht dort lebe. Gemäß dem Muryoju-Sutra (Sutra vom Buddha des unendlichen Lebens) beispielsweise lebt Buddha Amida im westlichen Reich des Universums, im sogenannten "Reinen Land vollkommener Glückseligkeit". Gemäß anderen Sutren leben die Buddhas Yakushi und Vairochana im östlichen Reich des Universums, in der "Reinen smaragdenen Welt" beziehungsweise der "Lotos-Schatzhaus-Welt".

Deshalb ist die Feststellung, dass Buddha Shakyamuni "ständig in dieser Welt gewesen" ist, von großer Wichtigkeit. Unsere irdische Welt wird im Sanskrit mit "Saha" (Ertragen) bezeichnet. Das bedeutet, dass die Menschen in dieser Welt Trauer und Leiden ertragen müssen. Shakyamunis Offenbarung aber, dass er "ständig in dieser Welt gewesen" ist, weist die Idee zurück, dass Glück nur in einer anderen Welt existiert und lehrt, dass man diese unreine Welt zum erleuchteten Land der Buddhaschaft verwandeln kann.

Das Gesetz Nam-Myoho-Renge-Kyo, der Kern des Juryo-Kapitels, soll eben hier, bei den gewöhnlichen Menschen, verbreitet werden. Der Buddha der unendlichen Vergangenheit hat ständig in dieser Welt und im ganzen Universum gelehrt, entweder direkt oder durch andere Buddhas. Dadurch hat eine unermessliche Zahl von Personen die Vorstellungskraft übersteigende Nutzen erlangen können. Diejenigen, die mit der Verbreitung von Nam-Myoho-Renge-Kyo im Späten Tag des Gesetzes betraut werden, sind die Bodhisattwas aus der Erde, deren Anführer Bodhisattwa Jogyo ist. Alle Menschen, die sich der Verwirklichung von Kosen-rufu in unserer Zeit widmen, gehören zu den Bodhisattwas aus der Erde.

Wir sollten nicht außerhalb von uns selbst nach Glück suchen, sondern in unserem eigenen Leben. Wir können diese Welt in einen Ort der Erleuchtung umwandeln, wenn wir uns ganz rückhaltlos dafür einsetzen, anderen bei der Suche nach Glück zu helfen.

Dieser Abschnitt erklärt das Reine Land oder den Ort, an dem Buddha Shakyamuni sich immer aufhielt und das Gesetz seit der entfernten Vergangenheit von Gohyaku-jintengo lehrte. Mit der Erklärung des Reinen Landes vervollständigt sich das Prinzip von Ichinen sanzen. Wir haben schon gesagt, dass T'ien-t'ai dieses Prinzip der 3000 Bereiche in einem Lebensaugenblick auf der Grundlage der im Hoben-Kapitel dargelegten zehn Faktoren formulierte. Das Reine Land aber wurde nicht in dem Kapitel offenbart, und einer der drei Bereiche der Existenz, von denen die anderen beiden der Bereich der fünf Bestandteile (Go'on seken) und der Bereich der Lebewesen (Shujo seken) sind. Dieses eine wichtige Element, der Bereich der Umgebung oder des Landes, wird nicht erwähnt, bevor Shakyamuni von "in dieser Welt" spricht. Danach wird es erst möglich zu verstehen, dass das Leben und seine Umgebung immer denselben Zustand widerspiegeln. Streng genommen ist deshalb das Prinzip Ichinen sanzen, so wie es in der theoretischen Lehre des Lotos-Sutras angesprochen wird, nicht vollständig. Die Offenbarung des Reinen Landes macht die grundlegende Einheit von Leben und seiner Umgebung klar und öffnet für den Alltagsmenschen den Weg, selbst diese unreine Welt in ein Land des Buddhas umzuwandeln, indem er den Zustand der Buddhaschaft aus sich selbst heraus manifestiert.

Das Prinzip des Reinen Landes erhält dadurch Bedeutsamkeit, dass es sich realisieren lässt. Es erklärt, wo wir uns befinden, um die Buddhaschaft zu verwirklichen – nicht in irgendeiner anderen Existenz an einem weit entfernten Ort oder nur nach dem Tode, sondern genau in diesem Leben und in dieser Welt. Ein Mensch, der in Alltagsdingen Nutzen erfährt, zeigt, wie wirksam die Ausübung des Buddhas ist. Mit der Entschlossenheit, die Welt zum Besseren zu verändern, wobei wir bei unserer unmittelbaren Umgebung beginnen, erhält unser Leben seine Bedeutung und eine feste und tiefe Wurzel in der tatsächlich existierenden Welt.[25]

"Einst praktizierte auch ich (Shakyamuni) die Bodhisattwa-Ausübungen" verweist auf die Wahre Ursache, die Ausübung, die es Shakyamuni tatsächlich ermöglichte, seine ursprüngliche Erleuchtung zu erlangen. Dass er die Erleuchtung erlangte, entspricht dann der Wahren Wirkung, die angezeigt wird in dem Abschnitt: "Die Zeit ist grenzenlos und unbeschränkt – hundert, tausend, zehntausend, hunderttausend, nayuta Äonen – seit ich tatsächlich die Erleuchtung erlangte."

Den Prinzipien der Wahren Ursache und der Wahren Wirkung wird das des Wahren Landes hinzugefügt, das bereits weiter oben erklärt wurde. Im Juryo-Kapitel werden diese drei Prinzipien zum erstenmal in allen Lehren Shakyamunis vereinigt. Man nennt dies die Integration der drei mystischen Prinzipien (Sanmyo goron).

Unbeantwortet bleibt die Frage, welche "Boddhisattwa-Ausübungen" Shakyamuni praktizierte, um die Erleuchtung zu erlangen, denn diese Ausübungen werden nicht ausdrücklich im Sutra beschieben. T'ien-t'ai erklärte, dass die Bodhisattwa-Ausübung 52 Stadien umfasst, von denen das elfte als erstes Stadium der Sicherheit oder als Stadium ohne Rückschritt bezeichnet wird. Er bestimmte dieses Stadium als die Wahre Ursache für Shakyamunis ursprüngliche Erleuchtung. Dies aber sagt uns immer noch nicht, was es Shakyamuni ermöglichte, das Stadium ohne Rückschritt zu erreichen.

Nichiren Daishonin erklärt in "Das Öffnen der Augen": "Die Lehre von Ichinen sanzen findet sich nur an einem Ort, verborgen in den Tiefen des Juryo-Kapitels der wesentlichen Lehre des Lotos-Sutras."[26] "Die Lehre von Ichinen sanzen" bedeutet hier das Gesetz Nam-Myoho-Renge-Kyo. In der "Sanju Hiden Sho" (Schrift über die dreifache Geheimlehre) diskutiert Nichikan Shonin diesen Abschnitt aus "Das Öffnen der Augen" und stellt eine Frage: "Frage: In den Tiefen welches Abschnitts ist es (Ichinen sanzen) zu finden?" Er erwidert dann: "Der Lehrer (Nichiren Daishonin) erläutert: ‘Die Wirklichkeit von Ichinen sanzen, dem ewigen Mystischen Gesetz, das alle gewöhnlichen Sterblichen zur Erleuchtung führt, ist in den Tiefen des Abschnitts verborgen, der auf die Wahre Ursache verweist, die das erste Stadium der Sicherheit ist.' Verstehen Sie, dass der Buddha dieses Stadium durch die Ausübung des Gesetzes erreichte."

Wie vorher erwähnt, ist das erste Stadium der Sicherheit das elfte von 52 Stadien der Bodhisattwa-Ausübung und wird auch als Stadium ohne Rückschritt bezeichnet. Der Abschnitt, "der auf die Wahre Ursache verweist", ist der Abschnitt "einst praktizierte auch ich die Bodhisattwa-Ausübungen". So stellt die "Sanju Hiden Sho" klar, was es Shakyamuni ermöglichte, die Erleuchtung zu erlangen. In einem ähnlichen Zusammenhang erklärt Nichiren Daishonin in der "Sandai Hiho Sho" (Über die Drei Großen Esoterischen Gesetze) folgendes: "Es sind das Objekt der Verehrung, das Heiligtum der Priesterweihe und die fünf Silben der Anrufung, wie sie der Buddha in entfernten Äonen praktizierte, bevor er die Erleuchtung erlangte."[27]

Nichiren Daishonin war der erste, der offenbarte, dass Shakyamuni und alle anderen Buddhas durch den Glauben an Nam-Myoho-Renge-Kyo der drei Großen Esoterischen Gesetze zur Erleuchtung geführt werden. Das zeigt sich klar in der "Akimoto Gosho" (Brief an Herrn Akimoto). Der Daishonin schrieb darin: "Alle Buddhas im Universum in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verwirklichen unweigerlich die Buddhaschaft mit dem Samen der fünf Schriftzeichen Myo-Ho-Ren-Ge-Kyo.[28]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle Buddhas, Shakyamuni eingeschlossen, das elfte Stadium nur durch Glauben an das Gesetz Nam-Myoho-Renge-Kyo, das in den Tiefen des Juryo-Kapitels verborgen ist, erreichen. Nam-Myoho-Renge-Kyo ist die Wahre Ursache für die Erleuchtung, der Nichiren Daishonin im Späten Tag des Gesetzes einen konkreten Ausdruck gab.

Der Daishonin verkörperte dieses höchste Gesetz als den Gohonzon. In diesem Sinne wird der Buddhismus des Daishonin als Buddhismus der Wahren Ursache bezeichnet. Die Wahre Ursache für die Verwirklichung der Buddhaschaft im späten Tag des Gesetzes ist ein unermüdlicher Glaube an den Gohonzon, der auch die Erfüllung der eigenen Aufgabe für Kosen-rufu in sich einschließt.[29]

 


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[1] Daisaku Ikeda, Zum neuen Jahr, Rede am Neujahrstag 1994.
[2] Daisaku Ikeda; Das wahre Wesen des Lebens (Gosho-Erläuterung); Forum März 1994; S. 26.
[3] Einführung in den Buddhismus Nichiren Daishonins; S. 34.
[4] Yoshiharu Matsuno; Gespräch und Vertrauen – Goshoerläuterung; Forum März 1993; S.4-6.
[5] Nichiren Daishonin; Dt. Gosho, Band 2, Seite 45.
[6] Daisaku Ikeda; Die Erschaffung eines unzerstörbaren Schatzes; Forum März 1994; S.4.
[7] Gosho-Erläuterung; "Rissho Ankoku Ron", Über die Befriedung des Landes durch die Errichtung des Wahren Gesetzes; Übersetzung eines Artikels in der Seikyo Times; Forum Mai 1995; S.23-26.
[8] Gosho-Erläuterung; "Rissho Ankoku Ron", Über die Befriedung des Landes durch die Errichtung des Wahren Gesetzes; Übersetzung eines Artikels in der Seikyo Times; Forum Juni 1995; S.15.
[9] Nach einer Erläuterung von SGI-Präsident Ikeda; Forum Juni 1995; S.12.
[10] Nichiren Daishonin; Japanische Gosho, S.31.
[11] Einführung in den Buddhismus Nitschiren Daischonons; S.10/56.
[12] Christian Jaburg; Dankbarkeit – ein Plädoyer; Forum November 1994; S.14.
[13] Einführung in den Buddhismus Nitschiren Daischonins; S.28.
[14] Nichiren Daishonin; Dt. Gosho, Bd. 1, S. 230.
[15] Nichiren Daishonin; Japanische Gosho, S. 1072.
[16] Daisaku Ikeda, Die Erläuterung des Lotos-Sutras, Forum Januar 1995, S.33.
[17] Shakyamuni; The Lotos-Sutra, Übersetzung Burton Wotson, New York 1993, Kapitel 16, S.227.
[18] Nichiren Daishonin; Englische Gosho (Major Writings of Nichiren Daishonin), Band 7, S. 65-66.
[19] Daisaku Ikeda; Lotos-Sutra Erläuterung; Forum April/Mai 1997; S.32-35.
[20] Shakyamuni; The Lotos-Sutra; Kap. 16; S.224.
[21] Shakyamuni; The Lotos-Sutra; Kap. 16; S.225.
[22] Shakyamuni; The Lotos-Sutra; Kap. 16; S.227.
[23] Daisaku Ikeda; Lotos-Sutra Erläuterung; Forum Juli/August 1997; S.39.
[24] Shakyamuni; Lotos-Sutra; Juryo-Hon, 16.Kapitel.
[25] Das Lotos-Sutra, Übersetzung und Erläuterung von Hoben- und Juryo-Kapitel; S. 44-46.
[26] The Major Writings of Nichiren Daishonin, Band 2, S. 80.
[27] Nichiren Daishonin; Gosho Zenshu, S. 1021.
[28] Nichiren Daishonin; Gosho Zenshu, S. 1072.
[29] Das Lotos-Sutra, Übersetzung und Erläuterung von Hoben- und Juryo-Kapitel; S. 54/5.

 
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